Mittwoch, 4. Januar 2017

1/3 Check!

Seit meinem letzten Eintrag ist nun schon wieder ein Monat vergangen. 31 Tage in denen unglaublich viel passiert ist.Zunächst einmal ein etwas ausführlicher Bericht zur ghanaischen Wahl.

Am 7. Dezember war der Tag gekommen, auf den ganz Ghana gefühlt seit meiner Ankunft hin fieberte- die Wahl eines neuen Präsidenten und Parlaments! Wie auch in Deutschland ist jeder Bürger, der eine ID-Card vorweisen kann und über 18 Jahre alt ist, dazu berechtigt, wählen zu gehen. Jedoch unterscheidet sich die Wahl in einigen Bereichen stark vom deutschen System. Angefangen beim Wahlkampf über die Ziele der Parteien bis hin zum Wahltag und der Bekanntgabe der Ergebnisse läuft so einiges anders ab.  Da ich mich jedoch nicht ausführlich genug mit dem Demokratiesystem Ghanas und den Parteiprogrammen auseinandergesetzt habe, kann ich euch lediglich meine Beobachtungen schildern, wie sich hier alles vor Ort abgespielt hat. Schon im September wunderten wir uns manchmal, dass irgendwelche Autos mit lauter Musik durch die Straßen fahren und einen Zug von tanzenden Menschen mit sich ziehen. Irgendwann wurde uns klar, dass diese Züge von den einzelnen Parteien organisiert wurden, die dadurch Anhänger gewinnen wollten. Je nach Partei wurde dabei unterschiedliche Musik gespielt und den Anhängern ein T-Shirt oder ähnliches der Partei geschenkt.  Diese Straßenzüge steigerten sich bis Dezember, sodass sie letztendlich fast täglich sogar bei uns am Haus vorbeizogen. Noch jetzt hängen überall Wahlplakate mit den Gesichtern der kandidierenden Präsidenten drauf, die Partei NPP beispielsweise warb hierauf mit dem Spruch: Vote for Change!- was für ein Change, das wusste niemand so genau, der sich nicht weiter mit Politik beschäftigt. Nachdem ich mich mit einigen Ghanaern über die bevorstehende Wahl unterhalten hatte, wurde mir klar, dass dieser Change zum einen ein einfacher Regierungswechsel sein sollte, den sich viele wünschten, da die Partei NDC unter John Mahamma nun für 8 Jahre an der Macht war, aber auch, dass die Wirtschaft endlich wieder in Schwung kommen sollte. Letztendlich war klar, dass die Wahl sehr knapp zwischen der eher sozial eingestellten NDC und der ökonomisch orientierteren NPP ausfallen wird. Am Wahltag selbst herrschte eine sehr angespannte Stimmung in der Stadt, in teilweise riesigen Familiengruppen gingen die Ghanaer in die Wahllokale (beispielsweise meine Schule) und kennzeichneten dort anhand ihres Fingerabdrucks, für welche Partei sie stimmten. Am Abend um sechs Uhr wurden die ersten ausgezählten Stimmen der einzelnen Bezirke im Radio bekanntgegeben. Überall sah man Ghanaer mit ihrem Radio durch die Gegend laufen, um den Ergebnissen zu lauschen.  Prozentuale Angaben wurden jedoch noch nicht mitgeteilt. Erst zwei Tage nach dem Wahltag wurde dann das Ergebnis verkündet- NPP hat mit 54% gewonnen, der neue Präsident Nana Addo wird noch im Januar sein Amt antreten.
NDC 

Nana Addo-NPP


Was eventuell noch erwähnenswert ist: In Gesprächen mit Einheimischen ist mir immer wieder bewusst geworden, dass die Politik in Ghana in einem anderen Verhältnis zu den Menschen steht, wie es das in Deutschland tut. Eine Partei wird hier gefeiert, wenn sie eine neue Straße baut oder eine neue Bibliothek errichtet. Die Schüler beispielsweise waren total begeistert von der NDC, da diese während des Wahlkampfes Regenschirme verschenkte. Es geht oft um materielle Dinge, beziehungsweise Dinge, die die Menschen sofort sehen können. Strukturelle und gesetzliche Veränderungen stehen nicht im Mittelpunkt. Daher erschien mir der Wahlkampf teilweise als ein Kampf zwischen zwei Sponsoren, bei denen es darum geht, wer die schönere Fabrik eröffnet oder die bessere Investitionsmöglichkeit findet. Trotzdem darf man nicht außer Acht lassen, dass die Parteien auch tiefgründigere  Visionen verfolgen. Ich bin nun gespannt, was sich durch den Parteienwechsel in den kommenden Monaten ändert und hoffe euch einen kleinen Einblick in „the Election“ gegeben zu haben.

Liebe Grüße
Eure Lisa 

Sonntag, 4. Dezember 2016

1/4 Check!

Mehr als ein Viertel meines Freiwilligendienstes ist schon geschafft.
Seit genau 101 Tagen bin ich nun in Ghana, 101 Tage an dem jeder anders war und etwas anderes mit sich brachte. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Blogeintrag eine kleine Zwischenreflexion veröffentlichen, um euch zu zeigen, was das Leben hier so mit sich bringt, inwiefern es sich vom deutschen Alltag unterscheidet und was mich hier prägt.
Alle Erlebnisse und Eindrücke, die ich hier übermittle, sind subjektiv. Das heißt ich beschreibe euch, wie genau ich Ghana erlebe und was ich persönlich wahrnehme. Dieses Bild ist von meinen eigenen Werten und meinem Charakter geprägt.  Jeder Mensch verarbeitet erlebte Situationen anders und nimmt sie anders wahr, deshalb sollten all die folgenden Eindrücke keinesfalls pauschalisiert, auf ganz Ghana geschweige denn ganz Afrika übertragen werden.

Woran ich mich nach 101 Tagen gewöhnt habe:

Ghanaer sind grundsätzlich nie pünktlich. Egal ob sie eine Uhr tragen oder nicht, Pünktlichkeit wird einfach nicht großgeschrieben. ´Ein Moment´ wird mal kurz zu einer Stunde, 30 Minuten dann eben zwei Stunden. Diese Eigenschaft als pünktlicher Deutscher zu akzeptieren, braucht seine Zeit aber man kann sich damit arrangieren. Man muss die Zeit, die man mit Warten verbringt eben anderweitig nutzen. Die Stunden, die ich bisher schon mit Warten verbracht habe, hätte ich locker dazu nutzen können, mein komplettes Abitur nochmal zu schreiben und dazu noch von Ghana bis nach Togo zu laufen. Einhergehend mit dem etwas anderen Zeitgefühl ist die lockere Handhabung von Verabredungen oder dienstlichen Vereinbarungen. Eine ghanaische Angewohnheit ist es, niemals ´Nein´ zu etwas zu sagen. Wenn man etwas nicht möchte oder an einem Termin nicht kann, dann sagt man eben `Vielleicht´ oder `Ja, morgen dann`. Daher kann man sich selten sicher sein, ob ein Treffen jetzt stattfindet oder ein Auftrag erledigt wird. Dagegen hilft nur hundert Mal anrufen und den Menschen hinterher telefonieren. Die meisten Angelegenheiten, die unsere gesamte ViA- Gruppe betreffen, versuche ich daher zu regeln, wie beispielsweise die Gruppentreffen organisieren, alle Pässe für die Permits einsammeln und so weiter.
Grundsätzlich bin ich bisher nur offenen und sehr freundlichen Ghanaern begegnet. Auch wenn die ein oder andere Marktfrau nicht gerade die gesprächigste ist, findet man überall eine Person, die einem weiterhelfen kann, den Weg zeigt oder uns Weiße vor teilweise betrügenden Verkäufern bewahrt.  Da Cape Coast bekannt ist dafür, dass hier viele Europäer und Amerikaner einen Freiwilligendienst leisten oder einfach nur Urlaub machen, sind die Einheimischen oft im Glauben, Geld von uns Weißen einsammeln zu können. Vor allem die Kinder auf der Straße und am Strand testen es nahezu täglich, ob wir ihnen nicht doch einen Cedi (umgerechnet ca. 25 Cent) geben können oder ihnen ein Wasser kaufen. Die Älteren, vor allem die ghanaischen Männer, versuchen hingegen durch Heiratsanträge und ähnliches mit uns nach Deutschland einreisen zu können oder einfach nur an Anerkennung zu gelangen. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, ständige Heiratsanträge und zu intime Gespräche abzuwimmeln. Was mich dabei etwas beschäftigt ist die Tatsache, dass es äußerst schwer ist, sich ohne spezielle Absichten mit Ghanaern in meinem Alter zu unterhalten. Eine Freundschaft aufzubauen ist nahezu unmöglich, da alle mir bisher begegneten Ghanaer immer mehr als Freundschaft wollten. Um sich einfach einmal mit einer ghanaischen Frau zu unterhalten, braucht es ebenfalls ein gutes Gespür. Die meisten Menschen, denen man täglich auf der Straße begegnet, sind Männer. Die Frauen arbeiten auf dem Markt oder sind zu Hause und arbeiten dort, junge erwachsene Männer hingegen chillen auf der Straße.
Das Essen und die Hitze sind für mich inzwischen auch ertragbar. Die Schärfe hat es teilweise immer noch in sich, der Mund brennt, der Schweiß läuft aber es schmeckt richtig gut. Meine Lieblingsspeise sind inzwischen Fufu mit Grounutsoup und Plantain. Auch wenn die Regenzeit jetzt komplett vorbei ist und die Trockenzeit beginnt, in der die Luftfeuchtigkeit so trocken werden soll, dass man sich täglich mehrmals eincremen muss und die Temperaturen weiter steigen, habe ich mich daran gewöhnt, ständig nassgeschwitzt zu sein. Wichtigster Begleiter tagtäglich ist daher mein Schweißtuch! Ohne dieses Tuch geht hier in Ghana fast nichts. Erfreulicherweise schwitzen die Einheimischen genauso viel wie wir Deutschen.  Ganz komisch wird es jedoch, in dieser Hitze Weihnachten zu feiern, daran kann ich mich glaube ich nicht gewöhnen- Weihnachten ohne Schnee, Plätzchen und einen richtigen Tannenbaum?!

Wie fällt man in Cape Coast auf?- Backpacker Rucksack mit zwei Bananen mitten in der Nach durch die Stadt tragen!

An was ich mich bisher noch nicht gewöhnen konnte:

Auch wenn mein Alltag inzwischen routiniert abläuft und ich mich so richtig wohlfühle, gibt es einige Dinge, die ich bisher nicht verstehe und meiner Meinung nach nach diesem Jahr immer noch kritisch betrachte. Es ist sehr schwierig ein möglichst objektives Bild zu vermitteln, das auch die von den Ghanaern gesehenen Vorteile belichtet. Jeden Tag werden in den ghanaischen Schulen (vor allem in den staatlichen) die Schüler von den Lehrern mit einem Schlagstock geschlagen. Die Gründe dafür sind sehr verschieden: Mal hat der Schüler die falsche Farbe an Socken an, mal ist die Matheaufgabe falsch gelöst, ein anderes Mal konnte das Geld für die Kirche nicht bezahlt werden oder der Schüler stand einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Manchmal denke ich mir, dass man als Schüler eigentlich nichts wirklich richtig machen kann. Wie kann man ständig in der Angst leben, von dem Lehrer noch einen Schlag auf die Schenkel, den Rücken, die Hände oder den Hintern zu bekommen? Die Angst steht den Schülern leider ins Gesicht geschrieben: Sie meiden den Blickkontakt zu ihren Lehrern und antworten auf Fragen des Lehrers im Flüsterton. Ich habe schon mit einigen Personen über dieses Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern geredet. Respekt vor einer Autoritätsperson bedeutet in meiner Schule Angst vor dem Lehrer zu haben, der Diener zu sein, denn es ist eine Ehre für die Schüler, dass sie von Lehrern unterrichtet werden- täglich danken sie in ihren Gebeten Gott dafür, dass sie die Ehre haben in die Schule zu kommen und unterrichtet zu werden, auch wenn der Unterricht meiner Meinung nach dringend überdacht werden sollte. Das Schulsystem allgemein zweifle ich stark an, auch wenn das ghanaische System auch Vorteile mit sich bringt, wie beispielsweise die sechsjährige Grundschule. Um wieder auf den Punkt zu kommen, das Schlagen an den Schulen soll die Schüler erziehen, sie bestrafen, wenn sie etwas falsch gemacht haben und sie zum Lernen motivieren. Ich sehe das anders und kämpfe deshalb täglich gegen die Tränen, wenn die Schüler vor allem vor meinen Augen geschlagen werden, sie dann angeschrien werden nicht zu weinen, um keine Schwäche zu zeigen, und falls sie weinen nochmals geschlagen werden.
Ein ganz anderer Punkt über den ich mich noch immer sehr wundere, ist die verschwenderische Art, mit denen die Ghanaer beispielsweise mit Wasser umgehen. Ordnung und Sauberkeit sind hier sehr groß geschrieben. Ganz wichtig hierbei: das Auto/ Taxi muss täglich geputzt werden- auch bei Wasserausfall. Dass Gegenstände hier schnell dreckig werden, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt, dennoch nutzt man das wertvolle Wasser lieber dazu, seine Felgen glänzend zu reinigen, anstatt es für wichtigere Dinge zu sammeln. In einem meiner ersten Einträge habe ich davon berichtet, dass morgens ab fünf Uhr um jedes Haus gekehrt wird. Egal ob man die Wiese, den Schotterweg oder die Einfahrt mit Kieselsteinen kehrt, man kehrt meist den Dreck von der einen Seite auf die andere- den Sinn hierbei habe ich auch noch nicht ganz verstanden. Noch unnötiger ist jedoch das morgendliche Aufsammeln von Müll. Ja, es gibt wenige Mülleimer hier in Cape Coast, aber es gibt welche, vor allem in der Schule. Dennoch wirft nahezu jeder Ghanaer seinen Müll tagsüber einfach auf die Straße, um ihn dann am nächsten Morgen, in der Schule noch vor der Assembly, zusammenzukehren und in die Mülltonne zu kippen- warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?!

Kleiner Auflug nach Kissi ins Baobab Zentrum

Auch wenn das Ende dieses Eintrags jetzt vielleicht etwas negativ klingt, Ghana ist ein wunderschönes Land, es gibt so unglaublich viel zu entdecken und zu erleben. Ich fühle mich hier richtig wohl und möchte keine Sekunde meiner bisherigen 101 Tage missen. Ich freue mich, in 8 Monaten wieder nach Deutschland zu fliegen, aber  noch viel mehr freue ich mich auf jeden noch kommenden Tag hier im Paradies Ghana!
Ganz liebe ´weihnachtliche ´Grüße,
Eure Lisa





Fremdes Zimmer- na und man kann gut drin schlafen!



Donnerstag, 10. November 2016

~ I have left my heart in so many places ~

Das angesprochene Sportfest liegt nun auch schon zwei Wochen zurück. Ähnlich wie Jugend trainiert für Olympia treten hierbei die Schulen eines Stadtgebietes gegeneinander in den Disziplinen Mannschaftssportarten (Fußball, Basketball, Volleyball) und Leichtathletik ( Läufe über Kurz- und Langstrecken, Weitsprung, Kugelstoßen und Staffellauf) an.

Aufwärmen vor dem Training

Meine Schule bestritt an den ersten zwei Tagen einige Fußballspiele. Die Woche vor diesem Wettkampf wurde täglich trainiert und die besten Spieler der Klasse 4-6 ausgewählt. Anders als aus deutschen Verhältnissen gewohnt, gab es keinen festen Zeitplan oder eine geordnete Reihenfolge, nach der sich der Tagesplan richtete. Es wurde einfach begonnen zu spielen, sobald zwei Mannschaften bereit waren. So kam es vor, dass es lange Wartepausen gab oder plötzlich Stress geschoben wurde, da das nächste Spiel doch schon in fünf Minuten stattfand. Die Stimmung war jedenfalls einmalig. Die ganze Schule feuerte ihr Team an und feierte bei einem Sieg ihre Mannschaft wie nach dem Sieg der Weltmeisterschaft. Es ist faszinierend, was für ein Gemeinschaftsgefühl die Schulen vermitteln.  Erschreckend ist jedoch, wie einige Lehrer ihre Schüler zu pushen versuchen, indem sie mit einem Schlagstock hinter ihnen herrennen oder sie teilweise sogar zum Ansporn schlagen.

Das Fußballteam der Methodist Schulen
Eifrige Fans

Die letzen zwei Tage wechselten wir dann die Lokation vom Fußballfeld in ein großes Leichtathletikstadion. Hier fanden die Leichtathletikwettkämpfe statt. Wie auch an den Vortagen gab es rund um das Feld Essensstände und viel Wasser zu kaufen, das auch dringend benötigt wurde. In prallster Sonne mussten einige Schüler 100, 200, 400 und 1500 Meter Läufe absolvieren. Alle Teilnehmer bekamen umsonst Wasser und die Rektorin bereitete ihnen täglich etwas zu Essen zu.




Alle Sieger wurden mit einer Urkunde belohnt, die ich auch einmal überreichen durfte J
Insgesamt hat mich das gesamte Sportfest sehr fasziniert, da alles ohne einen wirklichen Plan ( irgendwie typisch ghanaisch) trotzdem reibungslos abgelaufen ist, jeder seinen Spaß hatte und die Schüler eindeutig im Vordergrund standen (anwesend waren die meisten Lehrer meiner Schule jedenfalls nicht).

Inzwischen geht der normale Unterricht jedoch weiter, da die Abschlussexamen des ersten Terms anstehen. Der Matheunterricht verläuft sehr gut und es macht mir sehr viel Spaß meine Klasse zu unterrichten- ich habe alle Schüler liebgewonnen. Auch der Sportunterricht zaubert mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht- egal ob Klasse eins oder Klasse sechs, jede Klasse ist individuell und dementsprechend anders zu unterrichten, doch diese Herausforderung ist sehr spannend. Meine 12 Nachhilfeschüler zeigen auch deutliche Fortschritte, was mich täglich erfreut. Auch wenn es nur kleine Schritte sind, die sie gehen, jeder Schritt vorwärts ist ein Schritt mehr in Richtung einer gesicherteren Zukunft!

Das letze Wochenende wurde zum ersten Mal ein wenig Urlaub hier im Urlaub gemacht. Unsre nun komplette WG besuchte den Strand Busua, ca. 3 Stunden entfernt. Wunderschön zum Entspannen, die Sonne genießen und einfach mal aus der teilweise doch sehr hektischen Stadt Cape Coast kommen.



Ganz liebe Grüße aus dem immer heißer werdenden Ghana,
Eure Lisl


Mittwoch, 26. Oktober 2016

~ It is better to see something ones than to hear about it thousand times ~

Die Zeit vergeht wie im Flug- inzwischen bin ich schon die achte Woche hier in Ghana und rückblickend kann ich sagen, dass diese zwei Monate mir gerade einmal vorkommen wie zwei Wochen. Es gibt so viel zu tun, wodurch meine Zeit, einen neuen Blogeintrag zu verfassen immer weniger wird. Außerdem ist der Schulalltag in vollem Gange, weshalb es weniger zu erzählen gibt. Dennoch unternehmen wir in unserer unterrichtsfreien Zeit viele Ausflüge, um das Land und die ghanaische Kultur immer weiter kennenzulernen.
Nicht nur die Landschaft, auch die örtlichen Krankenhäuser habe ich in den letzen Wochen genauer unter die Lupe genommen. Es gibt sehr viele öffentliche Krankenhäuser hier in Cape Coast, die allen Einheimischen eine relativ billige und schnelle Behandlung ermöglicht. Nachdem ich jedoch keinen Arzt in einem dieser öffentlichen Krankenhäuser vorfand und lediglich die Krankenschwester eine Diagnose stellte, beschloss ich mir liebe eine Privatklinik aufzusuchen. Hygiene wird überall großgeschrieben, der größte Unterschied zwischen den von mir besuchten Kliniken war hauptsächlich der Preis und das Vorhandensein von elektronischen Geräten. Während im öffentlichen Krankenhaus der Puls und Blutdruck von Hand und ohne jegliche Hilfe von Uhren etc. gemessen wurde, waren in der Privatklinik entsprechende Geräte dafür vorhanden. Auch die Patientenkartei wurde einmal nur schriftlich in Akten festgehalten, im anderen Krankenhaus wie aus Deutschland gewohnt im Computer abgespeichert. Ich hoffe in nächster Zeit nicht noch genauer das ghanaische Gesundheitssystem in Anspruch zu nehmen, auch wenn ich mich darin in keiner Weise unwohl gefühlt habe.

Dennoch blieb mir in der letzten Zeit auch etwas Freiraum um einen naheliegenden Teil des Regenwaldes zu erkunden, und ich muss sagen, das Grün das hier herrscht ist im Gegensatz zu dem Grün des deutschen Frühlings um Meilen intensiver.


Auch die Universität haben wir in der Zwischenzeit mal besucht. Cape Coast ist die zweitgrößte Studentenstadt Ghanas, was uns bisher eigentlich nicht aufgefallen war, bis zu dem Zeitpunkt, als man die riiiiiiiesen Anlage zum ersten Mal betreten hat. Ähnlich einem Schloßpark mit 7 Wohnheimen und unzähligen Vorlesesälen, zwischen denen man mit einem Taxi pendeln muss, da die Anlage so groß ist, ist die UCC (University of Cape Coast) aufgebaut. Mir erschien das Gelände, als ob es eine eigene Stadt sei, eine Stadt mit eigenen Läden, eigenen Friseursalons, eigener Sportanlage und so weiter….
Eines der vielen Studentenwohnheime


Aussicht aus einem Vorlesungssaal


Desweiteren habe ich Bekanntschaft mit ein paar Krokodilen geschlossen, die ganz in unserer Nähe in einem See leben. Was ein Ereignis direkt neben sich sonnenden Krokodilen zu stehen!
Unser ViA-Crew Gruppentreffen fand in der Zwischenzeit auch statt- eine gemütliche Runde am Kosa Beach, die trotz schlechtem Wetter (komischerweise ist das Wetter am Wochenende immer regnerisch) sehr schön war, da jeder etwas interessantes aus der Einsatzstelle oder andere Erfahrungen preisgeben konnte.





Soooo, nach einem doch sehr lang geratenen Eintrag versuche ich mich nun wieder öfter ranzusetzen und euch auf dem Laufenden zu halten. Diese Woche findet ein großes Sportfest (ähnlich Jugend trainiert für Olympia) statt, von dem ich nächstes Mal berichte. Zudem zieht am Montag unsre vierte Mitbewohnerin Katharina ein, auf die wir alle sehr gespannt sind.
Bis dann,

eure Lisa




Mittwoch, 28. September 2016

Mein Alltag

~ To travel is to live. ~



Inzwischen bin ich schon die dritte Woche in der Schule. Der richtige Schulalltag lebt sich mehr und mehr ein und ich habe mir ein paar Aufgaben gesucht, die mich nun endlich beschäftigen. Das ghanaische Schulsystem ist etwas anders, als man es aus Deutschland kennt. Die Primary School dauert sechs Jahre, voraus gehen zwei Jahre Kindergarten, danach folgt die Secondary School in zwei Stufen. Auch der Unterricht läuft etwas anders ab: der Lehrer spricht einen Satz, die Schüler wiederholen diesen mehrmals; der Lehrer schreibt etwas an die Tafel, die Schüler schreiben ab. Dieser Frontalunterricht beginnt morgens um acht, wobei die Schüler schon um sieben in der Schule sein müssen, um zu kehren, und endet normalerweise um halb zwei, wobei die meisten Klassen meiner Schule deutlich überziehen. Soweit ich das in meiner fünften Klasse bisher beobachten konnte, führt das ständige Auswendiglernen nicht dazu, dass die Schüler die Zusammenhänge wirklich verstehen. Insgesamt können leider 12 der 20 Schüler aus Klasse fünf nicht lesen. Neben dem täglichen Sportunterricht, den ich für Klasse 1-6 zusammen mit Rebecca leite, unterrichte ich zudem Mathe und meine restlichen freien Stunden fülle ich mit Einzelnachhilfe, um den Schülern zu ermöglichen, lesen und schreiben und teilweise auch rechnen beizubringen. Das wird eine spannende Aufgabe -wie lernt man nochmal lesen? Ich kann mich daran kaum erinnern :)

Aufwärmen im P.E. Unterricht

Drei Schüler meiner 5. Klasse


Außerhalb der Schule bleibt jedoch noch den ganzen Nachmittag und das Wochenende Zeit, die schöne und vielfältige Gegend zu erkunden. Endlich kam auch mein Bett an, weshalb ich die heiße Mittagshitze mit Siesta überbrücken kann, Zeit für Sport bleibt auch genügend. Noch immer rast die Zeit wie im Flug, ich bin nun schon über einen Monat hier in Cape Coast, und alles fühlt sich an wie ein langer Urlaub.


Ja die Regenzeit macht es einem manchmal schwer
Stadt Elmina

Fischmarkt Elmina

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich mal wieder. Ganz liebe Grüße, eure Madam Lisa








Donnerstag, 15. September 2016

Die erste Schulwoche

~ Education is the most powerful weapon which you can use to change the world. ~

Change

Sehr viel hat sich in der letzten Zeit verändert. Ich habe schon fast alle ghanaischen Gerichte getestet, die allesamt sehr scharf sind. Ich habe mir ghanaische Kleidung schneidern lassen. Ich wurde in einer ghanaischen Kirche aufgenommen und gesegnet. Ich bekomme endlich ein Bett. Ich habe 2 Tage ohne Wasser gelebt. Ich wurde zur Gruppenleiterin unserer ganzen ViA-Ghanacrew ernannt, und muss so die Gruppentreffen organisieren und vieles mehr...Es fühlt sich inzwischen nicht mehr an wie ein Traum, sondern mehr wie eine Urlaubsreise. Das schöne Wetter, das teilweise jedoch von starken Regengüssen unterbrochen wird, das Meer, die Partys und die Stimmung hier in Cape Coast erleichtern mir sehr, hier anzukommen.



Ghanaische Kirche am Sonntag zwische neun und 13 Uhr
nochmal Fufu


Education

Nach den Ferien beginnt die Schule in Ghana immer dienstags. Jedoch unterscheidet sich der Schulbeginn und allgemein das Schulsystem stark von dem deutschen. Soweit ich das bisher beobachten konnte, lässt sich die ghanaische Gelassenheit auch in der Schule erkennen. Die erste Woche besteht nur darin, den Schülern Listen auszuteilen, auf welchen die zu kaufenden Dinge aufgelistet sind. Die Lehrer sitzen zusammen und reden, während die Schüler ihr Klassenzimmer kehren und sich ebenfalls unterhalten. Der Unterricht beginnt erst, wenn jeder Schüler alle Bücher gekauft hat, dennoch müssen alle Schüler von sieben Uhr bis 13:30 Uhr in der Schule sein. Sobald der Unterricht nächste Woche dann losgeht, werde ich alle Klassen von eins bis sechs in Sport unterrichten, sowie in der fünften Klasse den Matheunterricht übernehmen. Ich bin sehr gespannt, wie die Schüler auf mich reagieren werden.

Morgentliche Gebetsrunde- Worship

Rest of the world

Die Nachmittage kann man auch unter der Woche gut dazu nutzen, an den Strand zu gehen, einzukaufen, die Straßenstände mit Essen durchzutesten oder Fante zu lernen.





Tägliche Einkaufsrunde
Na wer weiß was das ist? - Kokosnüsse

direkt vor unserer Haustüre :) 
Typische Straßenstände