1/3 Check!
Seit meinem letzten Eintrag ist nun schon wieder ein Monat
vergangen. 31 Tage in denen unglaublich viel passiert ist.Zunächst einmal ein etwas ausführlicher Bericht zur ghanaischen Wahl.
Am 7. Dezember war der Tag gekommen, auf den ganz Ghana gefühlt
seit meiner Ankunft hin fieberte- die Wahl eines neuen Präsidenten und
Parlaments! Wie auch in Deutschland ist jeder Bürger, der eine ID-Card
vorweisen kann und über 18 Jahre alt ist, dazu berechtigt, wählen zu gehen.
Jedoch unterscheidet sich die Wahl in einigen Bereichen stark vom deutschen
System. Angefangen beim Wahlkampf über die Ziele der Parteien bis hin zum
Wahltag und der Bekanntgabe der Ergebnisse läuft so einiges anders ab. Da ich mich jedoch nicht ausführlich genug mit
dem Demokratiesystem Ghanas und den Parteiprogrammen auseinandergesetzt habe,
kann ich euch lediglich meine Beobachtungen schildern, wie sich hier alles vor
Ort abgespielt hat. Schon im September wunderten wir uns manchmal, dass
irgendwelche Autos mit lauter Musik durch die Straßen fahren und einen Zug von
tanzenden Menschen mit sich ziehen. Irgendwann wurde uns klar, dass diese Züge
von den einzelnen Parteien organisiert wurden, die dadurch Anhänger gewinnen
wollten. Je nach Partei wurde dabei unterschiedliche Musik gespielt und den
Anhängern ein T-Shirt oder ähnliches der Partei geschenkt. Diese Straßenzüge steigerten sich bis
Dezember, sodass sie letztendlich fast täglich sogar bei uns am Haus
vorbeizogen. Noch jetzt hängen überall Wahlplakate mit den Gesichtern der kandidierenden
Präsidenten drauf, die Partei NPP beispielsweise warb hierauf mit dem Spruch:
Vote for Change!- was für ein Change, das wusste niemand so genau, der sich
nicht weiter mit Politik beschäftigt. Nachdem ich mich mit einigen Ghanaern
über die bevorstehende Wahl unterhalten hatte, wurde mir klar, dass dieser
Change zum einen ein einfacher Regierungswechsel sein sollte, den sich viele
wünschten, da die Partei NDC unter John Mahamma nun für 8 Jahre an der Macht
war, aber auch, dass die Wirtschaft endlich wieder in Schwung kommen sollte.
Letztendlich war klar, dass die Wahl sehr knapp zwischen der eher sozial
eingestellten NDC und der ökonomisch orientierteren NPP ausfallen wird. Am
Wahltag selbst herrschte eine sehr angespannte Stimmung in der Stadt, in
teilweise riesigen Familiengruppen gingen die Ghanaer in die Wahllokale
(beispielsweise meine Schule) und kennzeichneten dort anhand ihres
Fingerabdrucks, für welche Partei sie stimmten. Am Abend um sechs Uhr wurden
die ersten ausgezählten Stimmen der einzelnen Bezirke im Radio bekanntgegeben.
Überall sah man Ghanaer mit ihrem Radio durch die Gegend laufen, um den
Ergebnissen zu lauschen. Prozentuale
Angaben wurden jedoch noch nicht mitgeteilt. Erst zwei Tage nach dem Wahltag
wurde dann das Ergebnis verkündet- NPP hat mit 54% gewonnen, der neue Präsident
Nana Addo wird noch im Januar sein Amt antreten.
| NDC |
| Nana Addo-NPP |
Was eventuell noch erwähnenswert ist: In Gesprächen mit
Einheimischen ist mir immer wieder bewusst geworden, dass die Politik in Ghana
in einem anderen Verhältnis zu den Menschen steht, wie es das in Deutschland
tut. Eine Partei wird hier gefeiert, wenn sie eine neue Straße baut oder eine
neue Bibliothek errichtet. Die Schüler beispielsweise waren total begeistert
von der NDC, da diese während des Wahlkampfes Regenschirme verschenkte. Es geht
oft um materielle Dinge, beziehungsweise Dinge, die die Menschen sofort sehen
können. Strukturelle und gesetzliche Veränderungen stehen nicht im Mittelpunkt.
Daher erschien mir der Wahlkampf teilweise als ein Kampf zwischen zwei
Sponsoren, bei denen es darum geht, wer die schönere Fabrik eröffnet oder die
bessere Investitionsmöglichkeit findet. Trotzdem darf man nicht außer Acht
lassen, dass die Parteien auch tiefgründigere Visionen verfolgen. Ich bin nun gespannt, was
sich durch den Parteienwechsel in den kommenden Monaten ändert und hoffe euch einen
kleinen Einblick in „the Election“ gegeben zu haben.
Liebe Grüße
Eure Lisa
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