Mittwoch, 4. Januar 2017

1/3 Check!

Seit meinem letzten Eintrag ist nun schon wieder ein Monat vergangen. 31 Tage in denen unglaublich viel passiert ist.Zunächst einmal ein etwas ausführlicher Bericht zur ghanaischen Wahl.

Am 7. Dezember war der Tag gekommen, auf den ganz Ghana gefühlt seit meiner Ankunft hin fieberte- die Wahl eines neuen Präsidenten und Parlaments! Wie auch in Deutschland ist jeder Bürger, der eine ID-Card vorweisen kann und über 18 Jahre alt ist, dazu berechtigt, wählen zu gehen. Jedoch unterscheidet sich die Wahl in einigen Bereichen stark vom deutschen System. Angefangen beim Wahlkampf über die Ziele der Parteien bis hin zum Wahltag und der Bekanntgabe der Ergebnisse läuft so einiges anders ab.  Da ich mich jedoch nicht ausführlich genug mit dem Demokratiesystem Ghanas und den Parteiprogrammen auseinandergesetzt habe, kann ich euch lediglich meine Beobachtungen schildern, wie sich hier alles vor Ort abgespielt hat. Schon im September wunderten wir uns manchmal, dass irgendwelche Autos mit lauter Musik durch die Straßen fahren und einen Zug von tanzenden Menschen mit sich ziehen. Irgendwann wurde uns klar, dass diese Züge von den einzelnen Parteien organisiert wurden, die dadurch Anhänger gewinnen wollten. Je nach Partei wurde dabei unterschiedliche Musik gespielt und den Anhängern ein T-Shirt oder ähnliches der Partei geschenkt.  Diese Straßenzüge steigerten sich bis Dezember, sodass sie letztendlich fast täglich sogar bei uns am Haus vorbeizogen. Noch jetzt hängen überall Wahlplakate mit den Gesichtern der kandidierenden Präsidenten drauf, die Partei NPP beispielsweise warb hierauf mit dem Spruch: Vote for Change!- was für ein Change, das wusste niemand so genau, der sich nicht weiter mit Politik beschäftigt. Nachdem ich mich mit einigen Ghanaern über die bevorstehende Wahl unterhalten hatte, wurde mir klar, dass dieser Change zum einen ein einfacher Regierungswechsel sein sollte, den sich viele wünschten, da die Partei NDC unter John Mahamma nun für 8 Jahre an der Macht war, aber auch, dass die Wirtschaft endlich wieder in Schwung kommen sollte. Letztendlich war klar, dass die Wahl sehr knapp zwischen der eher sozial eingestellten NDC und der ökonomisch orientierteren NPP ausfallen wird. Am Wahltag selbst herrschte eine sehr angespannte Stimmung in der Stadt, in teilweise riesigen Familiengruppen gingen die Ghanaer in die Wahllokale (beispielsweise meine Schule) und kennzeichneten dort anhand ihres Fingerabdrucks, für welche Partei sie stimmten. Am Abend um sechs Uhr wurden die ersten ausgezählten Stimmen der einzelnen Bezirke im Radio bekanntgegeben. Überall sah man Ghanaer mit ihrem Radio durch die Gegend laufen, um den Ergebnissen zu lauschen.  Prozentuale Angaben wurden jedoch noch nicht mitgeteilt. Erst zwei Tage nach dem Wahltag wurde dann das Ergebnis verkündet- NPP hat mit 54% gewonnen, der neue Präsident Nana Addo wird noch im Januar sein Amt antreten.
NDC 

Nana Addo-NPP


Was eventuell noch erwähnenswert ist: In Gesprächen mit Einheimischen ist mir immer wieder bewusst geworden, dass die Politik in Ghana in einem anderen Verhältnis zu den Menschen steht, wie es das in Deutschland tut. Eine Partei wird hier gefeiert, wenn sie eine neue Straße baut oder eine neue Bibliothek errichtet. Die Schüler beispielsweise waren total begeistert von der NDC, da diese während des Wahlkampfes Regenschirme verschenkte. Es geht oft um materielle Dinge, beziehungsweise Dinge, die die Menschen sofort sehen können. Strukturelle und gesetzliche Veränderungen stehen nicht im Mittelpunkt. Daher erschien mir der Wahlkampf teilweise als ein Kampf zwischen zwei Sponsoren, bei denen es darum geht, wer die schönere Fabrik eröffnet oder die bessere Investitionsmöglichkeit findet. Trotzdem darf man nicht außer Acht lassen, dass die Parteien auch tiefgründigere  Visionen verfolgen. Ich bin nun gespannt, was sich durch den Parteienwechsel in den kommenden Monaten ändert und hoffe euch einen kleinen Einblick in „the Election“ gegeben zu haben.

Liebe Grüße
Eure Lisa 

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